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EU-Taxonomie Reporting bei Siemens erfolgreich umgesetzt – mit dem hfp Impact Manager

Skalierbares EU-Taxonomie Reporting für globale Konzernstrukturen

Die EU-Taxonomie stellt große Konzerne vor eine doppelte Herausforderung: Einerseits sind die regulatorischen Anforderungen komplex, dynamisch und schwer interpretierbar. Andererseits liegen die für das Reporting notwendigen Informationen dezentral in der Organisation vor und müssen über unterschiedliche Systeme, Verantwortlichkeiten und Wertschöpfungsstrukturen hinweg zusammengeführt werden.

Die Siemens AG hat diese Herausforderung frühzeitig erkannt und gemeinsam mit hfp eine skalierbare Lösung für das konzernweite EU-Taxonomie Reporting implementiert. Ziel war es, eine konsistente, prüfungssichere und gleichzeitig praktikable Umsetzung in einem der komplexesten industriellen Unternehmensumfelder weltweit zu ermöglichen.

Mit über 320.000 Mitarbeitern, rund 78 Milliarden Euro Umsatz und einem hochgradig diversifizierten Portfolio gehört Siemens zu den ersten Unternehmen, die bereits ab dem Geschäftsjahr 2022 zur EU-Taxonomie Berichterstattung verpflichtet waren. Die Struktur des Konzerns – mit mehr als 150.000 Lieferanten, über 120.000 Projekten jährlich, mehr als einer Million Produktvarianten und rund 1.400 Standorten weltweit – führte dazu, dass eine Vielzahl unterschiedlicher EU-Taxonomie Aktivitäten bewertet werden musste.

Bereits in einer frühen Projektphase wurde deutlich, dass eine zentrale Bewertung nicht möglich ist. Die notwendigen Informationen lagen verteilt in unterschiedlichen Fachbereichen – von Strategie und Produktmanagement über Einkauf und Vertrieb bis hin zu Umwelt- und Standortverantwortlichen. Gleichzeitig mussten alle Bewertungen revisionssicher dokumentiert und für die Wirtschaftsprüfung nachvollziehbar gemacht werden.

Eine besondere Herausforderung stellte die Abbildung der komplexen Wertschöpfungsstrukturen dar. In hochautomatisierten Produktionsumgebungen greifen Produkte, Komponenten, Lieferketten und Standorte ineinander. Einzelne Bewertungen wirken sich auf eine Vielzahl von Produkten und Geschäftsaktivitäten aus. Eine konsistente und prüfungssichere Abbildung dieser Zusammenhänge – insbesondere in Excel – war unter diesen Rahmenbedingungen nicht realisierbar.

Vor diesem Hintergrund entschied sich Siemens frühzeitig für die Einführung einer spezialisierten Softwarelösung für das EU-Taxonomie Reporting. Nach einem strukturierten und Kriterien basiertem Auswahlprozess fiel die Entscheidung auf den hfp Impact Manager.

Im Zentrum der Lösung steht die Bewertung einzelner Geschäftsaktivitäten auf Ebene von Produkten, Projekten und Investitionen. Diese Bewertungen werden systematisch mit finanziellen Kennzahlen wie Umsatz und CAPEX verknüpft und in bestehende Controlling-Strukturen integriert. Dadurch entsteht eine konsistente Verbindung zwischen nicht-finanziellen Anforderungen und finanzieller Berichterstattung.

Die Umsetzung erfolgte in einem klar strukturierten Projektansatz. Bereits innerhalb von acht Wochen konnte ein Pilot mit einer Business Unit erfolgreich umgesetzt werden. In den darauffolgenden sieben Monaten wurde die Lösung konzernweit ausgerollt und erstmals für den geprüften Konzernbericht des Geschäftsjahres 2023 eingesetzt.

Ein zentraler Erfolgsfaktor war die konsequente Dezentralisierung der Datenerhebung bei gleichzeitiger zentraler Systemlogik. Die regulatorischen Anforderungen wurden in intuitive, dynamisch gesteuerte Fragebögen übersetzt, die nur die jeweils relevanten Inhalte für die zuständigen Fachbereiche abfragen. Dadurch konnten mehrere hundert Experten weltweit eingebunden werden, ohne dass diese sich mit der Komplexität der gesamten EU-Taxonomie auseinandersetzen mussten.

Gleichzeitig wurde die Bewertung entlang klar definierter Verantwortlichkeiten organisiert. Strategische Einheiten bewerten die grundsätzliche Zuordnung von Aktivitäten, während produktnahe Bereiche die technischen Kriterien prüfen und EHS-Einheiten die umweltbezogenen Anforderungen bewerten. Diese Aufteilung ermöglicht es, komplexe Anforderungen effizient und gleichzeitig fachlich fundiert zu bearbeiten.

Die Verknüpfung der einzelnen Bewertungen entlang der Wertschöpfungsketten ist systemseitig abgebildet und bildet die Grundlage für die konsistente Berechnung der EU-Taxonomie Kennzahlen. Zentral ist dabei die Pflege der Handshakes zwischen den Sites und dem Portfolio: Diese drücken aus, welche Vielzahl von Portfolio Elementen an einer Site hergestellt werden. Und an wie vielen unterschiedlichen Sites das gleiche Portfolio Element hergestellt wird. Ergänzend wurde eine Vererbungslogik implementiert, mit der Bewertungen auf höherer Aggregationsebene vorgenommen und auf große Teile des Portfolios übertragen werden können. Dadurch konnte der Bewertungsaufwand signifikant reduziert werden.

Für die Unterstützung der sowohl internen als auch externen Audits wurde besonderer Wert auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit gelegt. Sämtliche Bewertungen werden im System dokumentiert und mit entsprechenden Nachweisen hinterlegt. Änderungen werden vollständig protokolliert, sodass Wirtschaftsprüfer die Ergebnisse effizient nachvollziehen und freigeben können.

Seit dem Geschäftsjahr 2023 wird der hfp Impact Manager bei Siemens für das EU-Taxonomie Assessment und Alignment Reporting eingesetzt. Die Lösung ermöglicht eine konzernweite Integration von mehreren hundert Stakeholdern, reduziert manuelle Abstimmungsprozesse erheblich und schafft eine belastbare Grundlage für die Einhaltung regulatorischer Anforderungen.

Gleichzeitig bietet sie die notwendige Flexibilität, um auf die weiterhin dynamischen Entwicklungen und Interpretationen der EU-Taxonomie zu reagieren. Im Verlauf der Jahre wurde bereits eine Vielzahl an regulatorischen Erweiterungen implementiert. Nicht zuletzt die Ausweitung von ursprünglich zwei Umweltzielen auf jetzt alle sechs Umweltziele. Mit jeder regulatorischen Erweiterung sind weitere Optionen hinzugekommen, das Alignment zu erhöhen.

Die Kombination aus skalierbarer Systemlogik, zentrale Aktualisierung der regulatorischen Anforderungen, dezentraler Datenerhebung, Pflege der Beziehungen zwischen Portfolio und Sites und revisionssicherer Dokumentation hat das Projekt zu einem Referenzmodell für die Umsetzung der EU-Taxonomie in komplexen Organisationen gemacht.

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